Freitag, 19. Dezember 2008

Friedrich, die Fruchtwoche und mehr

Ja Friedrich gibt es eigentlich schon eine ganze Weile, nur habe ich bisher vergessen ueber ihn zu berichten.



Das ist er.


Angeschaft haben wir ihn uns eigentlich aus dem ganz praktischen Grund dasss er irgendwann mal all das Ungeziefer fresse soll was unser Haus bevoelkert. Der perfekte Jaeger ist er zwar noch nicht, aber ist ist unverkennbar das er ein richtiger brasilianischer Hofkater ist und nicht so vermenschlicht wie die Katzen in Deutschland. Der Name ist fuer alle Brasilianer so gut wie unaussprechlich, was unsere Absicht war.
Wenn Philipp mal allein mit ihm zu Hause ist spielt er sehr liebevoll mit ihm, was Friedrich grossen Spass macht.
Insgesamt hat die Natur hier einen viel groesseren Einfluss auf unseren Haushalt. Jeder dreckig stehengebliebene Topf wird z.B. sofort am naechsten Tag mit einer Invasion der wiederlichsten Tiere bestraft. An manchen Waenden bilden sich regelmaessig Bauten von Termiten (oder irgendwelchen anderen Ameisen-aehnlichen Wesen), die trotz Entfernen immer wieder neu aufgebaut werden. Ein Haertefall war z.B. auch als wir aus Sao Paulo zurueck kamen und einige Klamotten und Kissen geschimmelt waren...
Wie viele daheimgebliebenen, die jetzt studieren, kann ich nicht von grossem Lernstress und Fluegen in intellektuellen Hoehen berichten. Jeder Tag gleicht doch sehr den anderen, obwohl wir eigentlich am Wochenende immer was anderes unternehmen. Wahrscheinlich aus dieser Langeweile heraus haben wir letzte Woche eine Fruchtwoche gemacht. Das heisst nach der Schule haben wir den restlichen Tag nur noch Fruechte gegessen. Hat ganz gut geklappt, ich hab sogar ein Kilo abgenommen und wir haben fast bis zum Schluss durchgehalten.
Morgern ist der letzte Schultag im Kindergarten und dann sind bis Anfang Maerz Ferien. Ich habe aber nur 30 Ferientage, die aber allemal ausreichen.
Langsam merke ich auch wie das Verhaeltnis zu den Kindern der 6. Klasse, die ich immer Mittwoch Nachmittag im Handarbeitsunterricht habe, verbessert. Diese Stunden sind eigentlich immer die problematischsten der ganzen Woche fuer mich. Einerseits weil die Lehrerin noch neu ist und die Schueler ihr nicht den noetigen Respekt entgegenbringen und die 2 Stunden immer ein relatives Chaos sind. Das Szenario sieht ungefaehr so aus, dass nur wenige auf ihren Plaetzen sitzen und arbeiten und die anderen singen, schreien, werfen Papierkuegelchen oder machen anderen Bloedsinn. Andererseits ist meine Position als Voluntaria schwierig, sodass ich mich oft zwischen den Fronten haengend fuehle. Zu vielen Kindern habe ich langsam ein freundschaftlichen Verhaeltnis entwickelt. Es hat mich z.B. sehr gluecklich als neulich ein besonders schwieriges respektloses Maedchen, mit dem ich auch schon meine Auseinandersetzungen hatte, (ich glaube nach der ersten Stunde habe ich sie Philipp einfach nur als boese beschrieben) zu mir kam und ein gemeinsames Foto mit mir wollte.

Das ist z.B. Jennifer die echt mittlerweile sehr lieb gewonnen habe wegen ihrer lustigen Art.

Dieses freunschaftliches Verhaeltnis geht aber auch so weit, dass mir ausserhalb der Schule erzaehlt wird wie bloed doch die Handarbeitslehrerin ist, wogegen ich nur hoffnungslos anreden kann. Doch dann im Unterricht muss ich wieder eine voellig andere Position einnehmen. Ich muss Anweisungen geben, Kinder zurechtweisen und boese gucken wenn es Camila (die Lehrerin) auch tut. Besonders schwer faellt mir das, da die Kinder schon seit geschlagenen 4 Monaten damit beschaeftigt sind irgendwelche Stoffpferde zu naehen... eine Arbeit die ich mit 12 Jahren sicher auch nicht gemacht haette.
Ich habe mich auch schon oft gefragt ob dieses Problem mit der Waldorfpaedagogik zusammenhaengt. So scheint es hier den Kindern an einem Grundrespekt gegenueber Lehrern total zu fehlen. Ob eine Klasse den Klassenraum auch nur betritt, haengt allein von der Autoritaet des Lehrers ab. Auch faellt durch das Fehlen von Noten ein grosser Druck und Teile des Lernansporns weg, der mir insbesonders in den hoeheren Klassen als unbedingt notwendig erscheint. Trotzdem ist die Schule insgesammt qualitativ sehr sehr gut (was auch an den super Lehrern liegt).
Heute waere eigentlich Capoeira gewesen, aber leider kann ich momentan nur humpelnd laufen... Einige Wunden von Glasscherben und vom Surfen haben sich entzuendet, was hier auch Standard ist. Und da immer wieder Dreck reinkommt gestaltet sich die Heilung als schwierig.
Aber momentan bin auch wieder am Raendermalen.
Alles Liebe euch daheim :)
Eure Laura




Noch ein paar Bilder:



Ich am Strand und beim kurzen Ritt auf dem Pferd einer Bekannten





Capoeira am Strand





Haus der Familie einer Kleinen aus meiner Kindergartengruppe... fuehr sechs Personen und
einfach winzig. Ausserdem weder Bad noch Dusche.



Bloedsinn mit meinen blonden Haaren im Kindergarten

Dienstag, 2. Dezember 2008

Blumenkuesser

Hallo ihr geduldigen Blogleser :)

Ich weiss der letzte Bericht ist lange her. Und mittlerweile hat sich soviel Erlebtes angestaut das die Hemmschwelle einen neuen Eintrag zu schreiben relativ hoch war. Nichts moechte ich gerne auslassen und doch waere ueber alles zu schreiben ein wahnsinniger Zeitaufwand. Neuigkeiten aus meiner Umgebung und zwei grosse Reiseberichte aus Salvador und São Paulo. Deswegen greife ich zu einer sehr unpersoenlichen Loesung. Als Salvador-Bericht setzte ich euch einfach den von Philipp vor (der natuerlich qualitativ einem von mir in nichts nachstehen wuerde ;). Besonders das Waldorfseminar betreffend habe ich da sehr aehnliche Ansichten.
Viel Spass damit :)

Salvador - Für 2 Tage Touri sein (von Philipp)

Fünfspurige Straßen; Häuserschluchten; Stadtlärm.
Diese Eindrücke weckten mich morgens aus dem viel zu kalten Schlaf im (leider) klimatisierten Nachtbus nach Salvador auf. Die Morgensonne taucht immer wieder zwischen den Hochhäusern auf und beleuchtet die schon um diese Uhrzeit voll befahrenen Straßen unregelmäßig und lässt mich mit noch immer schlafenden Augen wundern, wo ich eigentlich gerade bin.
Salvador - die größte Stadt Bahias und ehemalige Hauptstadt Brasiliens - ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich bislang in den letzten 3 Monate von Brasilien gesehen habe. Laura, Tiago, Fabiana (Kindergärtnerin in Dendê da Serra) und ich ließen für ein Wochenende die so überschaubare und langsam recht gut bekannte Gegend rund um Serra Grande zurück, um das Neuland einer brasilianischen Großstadt zu erleben. „Neuland“ natürlich nur für Laura und mich, da Tiago selbstverständlich schonmal dort war und Fabianas Mutter Lais dort wohnt, was uns dann auch die Möglichkeit einräumte, bei selbiger von Samstag auf Sonntag kostenlos schlafen zu können.
Angekommen an der Rodoviaria, dem Busbahnhof der überregionalen Busse, ist es erstmal wieder ungewohnt, so viele unbekannte Menschen hektisch durch die Gegend laufen zu sehen. Da merke ich, wie viele Leute ich in Serra schon „kenne“, das heißt, zumindest schonmal gesehen habe. Eine wahrscheinlich semioffizielle Mischung aus einem öffentlichen und privaten Bus, dessen Cobrador (Fahrkartenverkäufer) an jeder Haltestelle den öffentlichen Stadtbussen die Fahrgäste abquatschen will, bringt uns zu der Schule, an der Fabianas Beweggrund zu dieser Reise stattfinden soll - ein echtes Waldorfseminar!
Da Laura sich ebenfalls im Voraus zu diesem Seminar angemeldet hat und Tiago sich das ganze auch mal anschauen will, stehe ich vor der Wahl plan- und stadtplanlos Salvador alleine zu erkunden oder ein, wie gesagt, echtes Waldorfseminar zu besuchen. Tragischerweise entscheide ich mich für letzteres, was mir im Laufe des Vormittags leider nicht viel mehr als ein amüsiertes Lächeln und ein fragendes Kopfschütteln bescheren soll.
Nach einem Begrüßungslied und der Bestätigung, dass sich alle sehr lieb haben, habe ich meine erste Begegnung mit der Eurythmie, den (mehr oder weniger) koordinierten Bewegungen und Gestiken in Einklang mit lyrischem Text. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es vielleicht daran lag, dass wir eine Choreographie für die 3. Klasse spielten, jedoch verwehrte ich mir nicht des Eindruckes, dass es einfach sehr albern ist, wenn 40 Erwachsene Menschen mit wehenden Armen, „strella-strella“ rufend durch den Raum schweben um so den Nachthimmel darzustellen...
Der darauf folgende Vortrag lässt mich zunächst schmunzeln und ich halte es für einen Scherz - es geht um „cabeça grande“ und „cabeça pequena“: Großköpfe und Kleinköpfe. Kinder lassen sich anhand ihrer Kopfgröße in zwei Kategorien einteilen (die Antroposophie scheint viel in Kategorien zu denken, wie ich feststelle), und diese prägen ihr Wesen. So sind Kinder mit einem großen Kopf viel verträumter, phantasievoller, schweifen gedanklich eher ab, leben mit ihrem Kopf nicht „auf dieser Welt“, während allerdings Kinder mit einem kleinen Kopf aktiver, erdgebunden und auf Hand- oder körperliche Arbeit fixiert sind. Großköpfe schlafen länger und träumen viel, stehen morgens ungern auf und lassen sich mit einem Spritzer kalten Wasser ins Gesicht in die Realität zurückholen; Kleinköpfe brauchen Wärme zur Beruhigung ihrer hohen Aktivität, es gibt auch eine spezielle Wickeltechnik, um ihnen ein warmes Handtuch um den Bauch zu binden. Der Großkopf soll eher salziges Essen und Wurzeln oder tiefwachsende Gemüsesorten verzehren, der Kleinkopf brauch süßes, buntes Essen wie zum Beispiel Früchte oder Säfte.
Soweit die Theorie.
Doch wo diese Thesen herkommen?
Wurde nicht erwähnt.
Und wie das belegt wurde und wird?
Wurde nicht erwähnt.

Die bereitwillige Zustimmung im Publikum läßt mich ein bisschen frösteln und mich fragen, wie man so vorschnell Kinder beurteilen kann und ob das richtig ist zu versuchen, Kinder in zwei Kategorien einteilen zu wollen. Also doch kein Scherz das ganze. Auf die Frage, ob dies denn immer zutrifft, antwortet die Vortragende: Nein, natürlich gibt es Ausnahmen.
Und wenn nun 50% der Fälle „Ausnahmen“ sind? Und die Wahrnehmung so fixiert ist, dass sie eben nur diese Fälle wahr nimmt, bei denen es gerade zutrifft und so die Theorie scheinbar bestätigt wird?
Ich will auf gar kein Fall abstreiten, dass es diese Typen von Kindern gibt, aber zu behaupten, die Kopfform bestimme das Wesen eines Kindes, klingt für mich aus der Luft gegriffen, unbelegbar und wahllos.
Nach dem Mittagessen entscheiden wir drei, Laura, Tiago und ich, uns, die Zeit sinnvoll zu nutzen und die Stadt anzuschauen. Oder besser gesagt, wir wollen versuchen die Stadt anzuschauen.
Wir bummeln ein paar Touripunkte ab, sehen die Altstadt, schlendern durch die Gassen - aber es war weit weg von „die Stadt kennenlernen“ oder „Salvador erleben“. In meinen 3 Monaten in Serra war es für mich möglich, das Leben dort im Ansatz kennen zu lernen: Mit den Menschen dort zu reden; dort zu arbeiten; dort zu wohnen. Doch 1 1/2 Tage müde durch eine Stadt zu rennen und versuchen mitzukriegen, wie das Leben dort funktioniert, indem man ein paar nette Fotos schießt, ist meilenweit davon entfernt. Auch mit vorheriger Planung des Wochenendes, auf die wir naiver Weise verzichtet haben, wäre das nicht wirklich möglich gewesen.
So kann ich bislang nur ein zwar sehr schönes und interessantes Bild von Salvador in meinem Kopf abspeichern, aber auch ein sehr oberflächliches. Es ist die Mischung aus den riesigen Hochhäusern, verfallenden Gebäuden in der Innenstadt, den Armenvierteln an den Hängen und das belebte Treiben auf den Plätzen, dass ich im Kopf behalte, mich aber fragend, wie es in diesen Häusern aussieht, was die Menschen reden und wie sie ihren Tag verbringen.
Auf der Heimfahrt, wieder in einem dieser winterlich gekühlten Nachtbusse, in die ich unwissend nur mit T-Shirt bekleidet einstieg, frage ich mich, wie anders es wäre, meinen Freiwilligendienst zwischen diesen fünfspurigen Straßen, den Häuserschluchten und dem Stadtlärm zu leisten, kann es mir aber nur sehr schwer ausmalen.

(Ich)
Jetzt zu São Paulo- eine umwerfende Stadt- und das bei weitem nicht nur im positiven Sinne. Dort waren wir wegen dem von Weltwaerts vorgeschriebenen 5taegigen Zwischenseminar, durch folgeneden Zufall wir Dende da Serra Freiwilligen aber ganze 10 Tage.
Es begab sich das mir eine nette Tam-Angestellte im letzten Moment dieses 10 Tage-Sonderangebot rausgesucht hatte, als ich schon fast mit meiner Kreditkarte einen vorher reservierten Flug (der ca. 400 Euro teurer war) bezahlt haette. Jene nette Angestellt hat wahrscheinlich an diesem Tag einen Verlust fuer die Fluglinie in Hoehe ihres Monatsgehaltes gemacht.
Viel hatten wir im Vorherein von den Leuten aus dem Dorf und der Schule ueber São Paulo gehoert, denn irgendwie hatte jeder schon mal fuer eine bestimmte Zeit in der 20-Millionenstadt gewohnt und gearbeitet.
Los gings also aus dem tropisch-heissen Sargi in das regnerische kalte São Paulo.
In dem naiven Glauben das es wohl auch dort sommerlich sein wuerde hatte ich nur eine lange Hose und keine geschlossenen Schule im Gepaeck. Das stellte sich schon bald als Fehler heraus und auch die Erinnerung, dass es sowas wie Kaelte gab kehrte in mein Bewusstsein zurueck.
Das Seminar fand in einem schoenen Sitio (sowas wie eine kleine Ferienanlage) ausserhalb von São Paulo statt und die Naechte vorher und nacher konnten wir gluecklicherweise bei Reinaldo, dem Seminarleiter, in seinem Haus am Stadtrand bleiben. Das Seminar habe ich als sehr schoen empfunden. Einerseits wegen der vielen Informationen und Einblicken in die Arbeit der anderen 12 Freiwilligen, welche alle ausschliesslich in der Naehe von São Paulo arbeiten, aber auch wegen der angenehmen geborgenen Atmosphaere.
Durch die Erzaehlungen der anderen hat sich die Sicht auf meine Dienststelle, sowie auch auf mein Leben insgesamt hier, spuerbar veraendert. Ich denke jetzt wir haben eine sehr gute Dienststelle „abbekommen“ (trotz der Startschwierigkeiten). Keine Probleme mit den Einrichtungsleitern, sehr sehr kompetente Lehrer und eine ausereifte Paedagogik. Auch durften wir uns recht neidische Kommentare anhoeren bezueglich Strand, Surfen und Wetter. Doch bietet eine Dienststelle einem in São Paulo Moeglichkeiten die wir nicht haben. Kino, abends Weggehen, Shoppen oder kulturelle Angebote, wie Theater, die mir in Serra und Umgebung sehr fehlen.
Offizielle Programmpunkte des Seminars waren z.B.: Stimmungs- und Arbeitskurve zeichnen, Einrichtung vorstellen, Vortraege von verschiedenen Dozenten, Austausch mit Brasilianern die in Deutschland waren, Besuch von einer Behinderteneinrichtung, Workshops wie T-Shirts selber gestalten oder Maculêle (ja den haben wir Dende-Freiwilligen organisiert ;)!). Leider war das Essen zu gut, sodass ich wahrscheinlich einen neuen Rekordstand erreicht habe, aber zu meiner Beruhigung haben fast alle anderen weiblichen Freiwilligen auch ca. 7 Kilo zugenommen.
Sehr gefreut habe ich mich auch Harm, einen anderenFreiwilligen, der in der Naehe von Fortaleza (noch weiter im Norden) ist, wiederzusehen. Mit ihm habe ich auch in den Tagen nach dem Seminar die Stadt erkundet.
Sagen wir es wie es ist, São Paulo ist einfach keine Touristenstadt. Die meisten Menschen geben sogar zu, dass sie nur da sind um Geld zu machen. Ich, mit meinem von Palmen und Strand getruebten Blick, habe sie in groessen Teilen als haesslich, grau und beunruhigend wahrgenommen. Da Reinaldo fast an der Stadtgrenze wohnt lagen zwischen uns und dem Anfang der eigentlichen Stadt immer 1 bis 2 Stunden rasanter Busfahrt, die mir manchmal richtig den Magen umdrehten. Man faehrt wirklich eine Stunde lang durch sich voellig gleichende Viertel, viele von ihnen Favelas. Rauf und runter. Besonders schlimm ist es im Berufsverkehr. Ab fuenf Uhr morgens bis ca. um neun sind die Busse (und es hunderte!- einer nach dem anderen) gerappelt voll. Ich frage mich wie die Menschen nach solchen zweistuendigen Busfahrten im Stehen noch die Kraft aufbringen acht Stunden zu arbeiten...? Und danach nochmal das ganze.
Besichtigt haben wir relativ wahllos Sachen, die uns die anderen Freiwilligen empfahlen. Riesige Einkaufsstrassen von Strassenhaendlern, wo sich die bunte quirrlige Seite der Stadt zeigte. Maerkte (haha ein Stueck hollaendischer Kaese 60 Reais), alte Bauten, futuristische Hochhaeuser und unglaublich ueberdimensionale Shoppingcenter. Eine Stadt des Alles. Alles gibt es hier. Zu kaufen, zu sehen, zu erleben. Von bettelarm bis zum ueberspruehenden Luxus.
Ich hoffe die Fotos lassen euch die riesigen Dimensionen der Stadt verstehen.
Nach diesen 10 Tagen war ich regelrecht froh wieder in mein gewohntes Leben in Bahia zurueckkehren zu koennen. Es hat mich ein bisschen erschreckt, dass ich mein kleines Dorf schon so vermisst habe... die Spannung steigt wie es dann erst in 8 Monaten aussieht ;)

Das Leben in Sargi geht ansonsten seinen gewoehnlichen Gang. Letztes Wochenende haben wir uns ein gebrauchtes Surfboard fuer 200 Reais gekauft.
Da die abendliche Beschaeftigung meistens nur aus Kochen und Essen bestand habe ich endlich mal ein paar Spiele wie Muehle und Schach besorgt. Gestern haben wir dann Muehle gespielt, aber ich habe ganz schrecklich verloren (das Spiel ist auch wirklich doof) und war ziemlich sauer... Zur Zeit gibt es ganz schlimme Gewitter, mit umkippenden Baeumen, Ueberschwemmungen und Stromausfaellen. Eigentlich recht lustig ;) Uns hats genau beim Kochen erwischt und da die Sonne schon untergegangen war, war es wirklich wirklich dunkel (Kerzen hatten wir natuerlich keine). Haben dann aber tapfer durchgezogen und sogar geniessbare Nudeln mit leckerer Sosse in vollkommener Dunkelheit gegessen. War ziemlich schwer mit der Gabel den Mund zu treffen ;) So und so aehnlich sieht also unser Alltag aus.

Meine Reiseplaene stehen jetzt auch langsam, Weihnachten und Silvester wird hier gefeiert und nach Silvester reise ich dann mit Harm die Kueste hoch, bis zu seiner Dienststelle, danach (Ende Januar) wieder schnell zurueck nach Salvador um meine lieben Eltern abzuholen!

Liebe Gruesse und allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit ;)
Eure Laura

Maculêle-Praesentation der 7. Klasse




Zusammensitzen mit Musik


... und Fackeltanz


neugestrichen












Grosskoepfe und Kleinkoepfe



Stadteindruecke aus Salvador




















mit T-Shirt in der Weihnachtswelt











Sao Paulo

































dieses Schiff ist da um den ganzen Muell aus dem biologisch toten Fluss zu holen

Dienstag, 14. Oktober 2008

Makulélé beim Limpeza de Praia mit Camila (Handarbeitslehrerin an der Schule)

Tiago unser Capoeira-Lehrer



Der Strand vor unserer Tuer :)





DIE Raender





das versiffte Klohaeuschen




Veranda



Wohnzimmer, alles noch ungestrichen




Unser Haus!!! das riesige Grundstueck wird hoffentlich sichtbar ;)








Eliane aus der 7. Klasse










Fabiana




Beatrix, eigentlich mein Liebling, aber pssst sowas darf man ja nicht haben










Tiago









Philipp beim Kochen in der noch ungestrichenen Kueche

Unser Haus am Strand, der Kampf mit den Laeusen und meine kleinen Engel

Hallo liebe Freunde und Verwandten von Laura :)!
Lang lang ists her seit dem letztem Eintrag und noch mehr gibts zu berichten! Die erste grosse Neuigkeit ist das wir seit ca. 3 Wochen ein Haus in einem anderen Oertchen gemietet haben! Schon seit Anfang an war die Wohnsituation bei Silvia ziemlich beengt...besonders am Wochenende bevoelkerten ganze Menschenmassen das Haus. Auch ging es uns 3 Freiwilligen auf die Nerven das Silvia in manchen Dingen sehr eigen war und es recht komische Regeln gab, die wir eigentlich glaubten in unserem Elternhaus in Deutschland zurueckgelassen zu haben ;) So durften wir nur zu bestimmten Urzeiten essen und das Angebot war ehrlich gesagt recht spaerlich (nie Wurst und Kaese, manchmal gab es nur Kuskus, der uns allen nicht so richtig schmeckt) . Aber eigentlich hatte ich damit nicht so ein grosses Problem. Denn irgendwie ist das ja auch ein bisschen Sinn eines Freiwilligendienstes mal unter einfacheren Bedingungen zu leben. Nur hat Silvia jeden Monat 70 Euro (was hier sehr viel Geld ist) vom BMZ fuer unsere Verpflegung und Unterbringung bekommen und dafuer kann man hier auch schon mal Wurst und Kaese auf den Tisch stellen.
Besonders der Pinguin der gerne kocht fuehlte sich eingeengt und warf oft die Diskussion auf einfach auszuziehen. Irgendwie hatten wir aber nie de Mumm das mit Silvia zu besprechen, weil wir Angst hatte, das koennte sie vor den Kopf stossen.
Eines schoenen Nachmittags gab es von Silvia dann wieder die Ansage wir sollten doch bitte bis zum Abendessen kein Brot mehr essen. Ich in meiner Dreistigkeit (und meinem Heisshunger auf Brot mit Goiabada) schnitt mir dann vor ihren Augen aber noch eine Scheibe ab, worauf hin sie ziemlich explodierte und uns beichtete das unsere Anwesenheit bei ihr sie ziemlich belastet und sie den Stress, den 3 Freiwillige im Haus mit sich bringen unterschaetzt hat. Daraufhin sassen Philipp, Philipp und ich relativ sprachlos da, da es uns ja genauso ging. Schon an diesem Nachittag begann die Suche nach einer neuen Bleibe fuer uns. Ich persoenlich haette auch noch gut bei Silvia wohnen koennen, in unserem grossen leeren Haus fehlt manchmal einfach der Trubel. Aber wenn man natuerlich die Gelegenheit hat, in unserem Alter sowas alles schon mal auszuprobieren, da war ich total dabei ;) Am naechsten Tag einem Samstag haben wir bei der Aktion "Limpeza as Praias" (Strandputz) teilgenommen, wo wir auch Capoeira und MakulÈlÈ am Strand gemacht haben... guckt euch die Fotos an :)
Dann sind wir von PÈ de Serra nach Sargi (eine kleine Siedlung, ca. 5 Kilometer entfernt von Serra und 9 von der Schule) gelaufen um uns nach Haeusern umzuhoeren. Fabiana, mit der ich im Kindergarten zusammenarbeite hat uns dabei tatkraeftig geholfen und am Ende des Tages hatten ich und Philipp uns schon in "unser" Haus verliebt. Wir waren uns auch fast sicher das dem Pinguin das Haus auch gefallen wuerde, doch dem war leider nicht so... Nach langem Hin und Her hat er sich dann doch entschlossen das Haus zu nehmen. Wir bezahlten also 900 Reais fuer die ersten 3 Monate und unterschrieben den Vertrag. Soweit so gut, doch der Pinguin hatte es sich mittlerweile schon wieder anders ueberlegt und entschloss sich nicht mit uns einzuziehen aber trotzdem seinen Teil zu bezahlen (weil wir auch noch Streichen und sehr SEHR viel putzen mussten). An dieser bloeden Situation fuer ihn bin ich auch nicht ganz unschuldig, weil ich glaub ich ziemlichen Druck auf ihn ausgeuebt habe, endlich ja zu sagen... ich wollte halt das Haus unbedingt... und ihr kennt mich ja wenn ich was will...
Jetzt wohnen ich und Philipp also allein hier :) Wir muessen zwar jetzt immer 5:30 auftehen um den klapprigen Schulbus 6:10 zu nehmen, aber wenn ich Samstag morgen einfach ins Meer springen kann, dann entschaedigt das doch fuer vieles ;)
Momentan ist alles noch ziemlich chaotisch, da wir immer etappenweise am Wochenende streichen, aber so langsam richten wir uns ein. Haengematte schon gekauft, Duschkopf fuer warmes Wasser (der aber noch installiert werden muss), Sofabezuege, Spiegel, Teflonpfanne und und und... und gestern haben wir auch zum ersten Mal eigenes Brot gebacken! Mit Philipp verstehe ich mich sehr gut und wir sind beide zum Glueck sehr entspannt was diese ganze "Haus-Herrichten-Angelegenheit" angeht. Auch wenn er manchmal meinen doch sehr feminin gepraegten Geschmack nicht teilt, so finden wir doch immer Kompromisse.
Es macht einfach sehr viel Spass alles selber in die Hand nehmen zu koennen, vorallem in Brasilien mit unseren immernoch hoelzernen Sprachkenntnissen ist das manchmal eine relativ Herausforderung!
Ja was noch? Gerne wuerde ich auch noch ueber die Wahl und den verangegangenen Wahlkampf in der Region berichten, aber das hebe ich mir lieber fuers naechste Mal auf ;)
Kommen wir erstmal zu den aktuelleren Probleme: Ich habe Laeuse!!! Und werde sie warscheinlich auch ueber das ganze Jahr hinweg nie vollstaendig loswerden.
Ich hatte schon seit laengerem den Verdacht (das staendige Kopfjucken muss ja irgendwoher kommen...) und habe mir fuer teure 14 Reais eine Anti-Laeuse-Schampoo gekauft und dachte damit waere das Problem geloest. Aber anscheinend haben die Dende da Serra-Laeuse schon gewisse Resistenzen entwickelt... Jede Woche machen wir seit kurzem naemlich einen "Laeuse-Tag" im Kindergarten (bitter noetig denn alle Kinder haben hin und wieder ein paar) und als diese Woche die Kinder zufaelligerweise auf meinen Kopf schauten brach riesiges Geschrei aus. Auf meinem Kopf wimmelte es von den possierlichen Tierchen. Auch Fabiana und Viviani (die Kindergaertnerin der anderen Gruppe) waren voellig aus dem Haeuschen und verkuendeten ich haette bestimmt mehr Laeuse als alle Kindergartenkinder zusammen. Auch Saetze wie "Kinder, geht jetzt nicht zu nahe an Laura ran!" fielen.
Angesichts dieser Uebermacht auf meinem Kopf Griff Viviani zur anscheinend letzten rettenden Loesung: Sie packte ein paar Gartenkraeuter in den wirklich sehr sehr hochprozentiegen Putzalkohol und kippte mir kurzerhand das Zeug ueber den Kopf. Dann bekam ich eine Plastiktuete ueber die Haare, damit der Alkohol 30 Minuten in Ruhe einwirken kann. Gnaedigerweise musste ich in diesem Zustand Keitano nicht zum Schulbusbus bringen. Danach kaemmte ich mir die Haare noch mit einem Laeusekamm, sodass ich insgesamt gefuehlte 50% meiner Haarpracht verlor... Ich werd also versuchen hier irgendwo einen guten Laeusekamm aus Metall aufzutreiben und mir die Biester so gut wie moeglich vom Leib zu halten. Aber momentan juckt mein Kopf schon wieder ein bisschen...
Nun zu den kleinen Engeln im Kindergarten :) Mittlerweile bin ich super-supergluecklich mit meiner Arbeit. Es war schwer am Anfang Zugang zu den Kindern zu finden und auch als 2. Respektsperson im Raum akzeptiert zu werden... Die Sprache ist bei sowas schon sehr wichtig und auch musste ich erstmal in diese ganze Waldorfathmossphaere reinkommen. Aber mittlerweile bin ih sehr zufrieden mit meiner eigenen Arbeit und mein Ziel ist es innerhalb dieses Jahres genauso gut mit den Kindern arbeiten zu koennen wie Fabiana. Der Waldorfkindergarten ist schon sehr eigen, z.B. haben wir zu jeder erdaenklichen Tagesaktivitaet (Haendewaschen, Aufraeumen, Socken Anziehen, Essen umruehren, Tuecher Falten, Gebet vor dem Essen) kleine Lieder. Mittlerweile kann ich die sogar ganz gut und ich glaube auch dass dieses verstaerkte Singen fuer die Kinder sehr sinnvoll ist. Unbeliebte Arbeiten machen so mehr Spass und insgesamt gibt ihnen zudem der sehr strukturierte Tagesablauf mehr Ausgeglichenheit. Die Kinder moegen und respektieren mich gut, auch wenn es natuerlich schwierige Faelle gibt. Ich habe sehr viele Fotos von ihnen gemacht, was ihnen glaub ich sogar noch mehr Spass gemacht hat als mir ;) Hachja...
Sonst sind natuerlich auch noch ganz viele andere Skurillitaeten passiert, wie z.B. das wir den Vertrag fuer unser Haus selber machen mussten und unserer Vermieter nicht lesen und seinen Namen nur muehsam schreiben konnte. Etwas anderes komisches ist letztes Wochenende passiert. Wir waren auf einer "Party" der Lehrer und eine Lehrerin, die mir eigentlich immer sehr sympatische war, sass dort und hatte doch tatsaechlich eine Jacke von mir an, die ich zuvor in der Schule vergessen hatte!!! Ich habe bestimmt den ganzen Abend sie und meine Jacke angestarrt und mich gefragt, ob sowas hier nicht auch Diebstahl ist... Gestern hatte ich dann endlich den Mut sie in der Schule darauf anzusprechen. Ich denke schon es war ihr sehr peinlich. Sie hat die ganze Sache kleingeredet. Und so getan als haette sie sie rein zufaellig angezogen und mitgenommen, weil ihr kalt war. Das hat mich schon ganz schoen zum Nachdenken gebracht, vorallem weil die Schule ihre Ideale (Paedagogik der Liebe und blabla) immer so sehr predigt. Ich fand die ganze Sache sehr beeunruhigend...
Neben der Arbeit im Kindergarten hat mich Silvia auch noch fuer eine besonders wichtige Aufgabe ausgewaehlt ;)... ich darf ALLE Briefe an die Paten der Schule mit Wachsmal-Raendern dekorieren. Das sind ungefaehr 100 Briefe. Mittlerweile bin ich sogar schon ziemlich gut... brauche pro Rand nur noch 4 anstatt 6 Minuten! Ihr koennt euch ja ausrechnen wieviel Zeit ich in der letzten Woche mit den Wachsmalstiften verbracht habe ;)
Capoeira laeuft gut, obwohl ich mich immer noch sehr unbeweglich fuehle. Habe aber schon deutlich mehr Muskeln bekommen! Aja und zugenommen habe ich jede Menge, also bestimmt so 5 Kilo (die man auch sieht!)... das Essen ist hier nicht leckerer, aber irgendwie stopf ich mich immer bei jeder Gelegenheit voll... mhh muss halt noch mehr Sport machen!
Zur weiteren Planung des Jahres: Ich werde ueber Weinachten nicht nach Hause kommen :( Tut mir leid... Aber das waere einfach ein zu grosser Einschnitt in das Jahr. Wenn ich alle meine Freunde in Berlin widersehe und dann wieder zurueck hierher in die Pampa muss, wuerde ich glaube ich vor Heimweh vergehen. Dann ist ja auch nix mehr neu und aufregend. Meine Ferien fangen am 22. Dezember an und gehen voraussichtlich bis Anfang Maerz (!!!). Ueber Silvester moechte ich gerne einen anderen Freiwilligen weiter noerdlich besuchen, was bestimmt auch lustig wird :) dann vielleicht nach Rio und Sao Paulo oder einfach mit Bus die Kueste runter... wird sich zeigen :) Meine liebe Familie kommt dann hoffentlich so gegen Ende Januar! Ob Karneval in Rio oder Salvador das weiss ich noch nicht... Wenn einer von euch mich besuchen moechte wuerde ich mich total freuen! Also ausserhalb der Ferien waere auch super! Haben eh ein Zimmer frei mit 3 Betten. Verpflegen kann man sich hier auch sehr guenstig und die Gegend ist wunderschoen. Also paar Touri-Punkte gibts und die ganzen Insider-Sachen wuerde ich euch dann natuerlich zeigen ;)!!
So mach jetzt Schluss! Ich hoffe euch gefallen die Fotos! Ich vermiss euch immer noch :)...
Eure Laura
Aja danke an meine lieben Kartenschreiber Dirk, Mutti und Papa!!