Montag, 2. März 2009

Reisen

Hallo liebe Freunde der russischen Tanzmusik J
Ein neuer Blogeintrag, nachdem Vorwürfe einer gewissen Person laut wurden ich würde sie nicht an meinem Leben teilhaben lassen. Also lest und habt teil!
Weihnachten. Ja dieses Weihnachten war wohl das bisher komischste meines bisherigen Lebens. Einerseits kommt bei Strand und Sonnenschein nicht grad das deutsche grau-kalte Weihnachtsfeeling auf, andererseits wird das Fest der Liebe von den Brasilianer auch sehr zu einem weiteren Grund zum Party-machen degradiert. Besinnlich mit der Familie zusammensitzen liegt nicht sehr in der Natur der typischen Bahianer.
Der heilige Abend stand also ganz ploetzlich vor der Tuer. Trotz all der wiedrigen aeusserlichen Bedingungen versuchen Philipp und ich doch noch in einem Gewaltakt Besinnlichkeit in unser Haus einkehren zu lassen. Philipp stellte einen praechtigen Palmenzweig im Wohnzimmer auf, den er mit Glitzergirlanden und Leuchtketten schmueckte und ich habe gekocht. Zur Feier des Tages assen wir auch mal an unserem schicken Holztisch im Wohnzimmer und nicht am schon etwas abgewetzten Plastiktisch in der Kueche.
Auf dem Sofa bahrten wir die sehr geringe Zahl an Geschenken auf und es war erstaunlich wie schnell die Bescherung vorbei ging, wo sich in Deutschland der Akt des genuesslichen Geschenke auspackens und bewundern doch immer ueber den ganzen Abend hinzieht.
Schnell war es mit der Besinnlichkeit vorbei als eine Familie aus Brasilia, die wir kennengelernt hatte, hereingelaermt kam und uns zum Uno-Spielen einlud. Wir nahmen an und so ging mein heiliger Abend in Brasilien dann auch zu Ende.
Silvester lag den Brasilianer dann schon wieder mehr. Wir waren bei einer teuren Strand-Party in Itacaré, wo wir bis zum Sonnenaufgang getanzt wurde.
Am 3. Januar ging dann also die grosse Reise los mit Harm, der schon vor Silvester eingetrudelt war.
Zuerst waren wir 5 Tage in Salvador und haben gemaechlich die Touristenattraktionen abgeklappert und sind manchmal auch einfach nur ziellos durch die Stadt gewandelt und haben sie auf uns wirken lassen. Alles in allem war es: sehr heiss, alt, neu, chaotisch, kulturell, rythmusgeladen – einfach die typische Atmosphaere Bahias, die man nur selber vorort spueren kann.
Danach ging es weiter nach Morro de Sao Paulo.Eine Insel die meist die Brasilianer selbst anzieht. Wir sahen wunderschoene Natur - Straende, tolle Schnorchelpletze, rote Klippen – doch nur eins stoerte: Die riesigen Menschenmassen, sodass von der wirklichen Schoenheit der Insel fast nichts mehr zu sehen war. Harm ist dann auch noch in einen Seeigel getreten... Schoen war trotzdem: Pferd mieten und am Strand entlanggaloppieren, Bootsausflug zu unberuehrten Nachbarinseln und natuerlich die roten Klippen. Dort gab es an einer Stelle ganz viel roten Schlamm, der angeblich gut fuer die Gesundheit sein sollte und alle Touristen sich wie kleine Schweinchen drinn suhlen konnten. Das haben Harm und ich auch zu genuege getan. Leider wurde in Canoa spaeter Harms Kamera geklaut/verloren (die geneuen Umstaende sind bis heute unklar), sodass die wunderbaren Fotos dieses Ereignisses verloren gingen.
Der negative Hightlight unseres Aufenthaltes war leider die Rueckfahrt mit dem Catamaran nach Salvador. Niemand warnte uns vor, nichtmal Lonely Planet und so bekamen wir fuer teure 70 Reais den 2-Stuendigen Horrortrip unseres Lebens. Nach ca. 5 Minuten war klar worauf wir uns eingelassen hatten und nach 10 landete das Fruehstueck auch schon im Meer. Insgesammt habe ich mich 8 Mal uebergeben, oder zumindest gab mein Koerper das Signal dazu. Harm ging es fast noch schlechter. Am Ende lag er im einzigen Schatten auf dem Catamaran vor dem Klo, halb ohnmaechtig und ich hing fast weinend ueber der Reling, alle Passagiere um mich herum hilten Sicherheitsabstand. Noch endlos langen 2 Stunden ging dann die Fahrt endlich zu Ende und wir schleppten uns wuetend und voellig entkraeftet von Bord.
Die naechste Nacht blieben wir noch in Salvador zum Ausruhen.
Des weiteren kenne ich jetzt den kaeltesten Ortes ganz Brasiliens: Der Ueberlandbus von Salvador nach Fortaleza. Aber auch das wurde ueberstanden und nach ca. 30 Stunden Reise kamen wir dann endlich in dem beruehmten Ferienort Canoa Quebrada an der Kueste des Bundesstaates Céara an. Harm arbeitet in einem kleinen Fischerdorf das direkt neben Canoa liegt und sich dank eines strengen Bauverbotes von Pousadas seine Urspruenglichkeit erhalten hat. Waerend der gesammten Woche meines Aufenthaltes kamen wir bei der Familie von Harm Freund unter. Ich habe mich schon so wohl wie noch lange nicht gefuehlt. Einerseits weil ich sehr herzlich aufgenommen wurde und endlich mal wieder an so einem richtigen Familienleben teilhaben konnte. Andererseits weil die Landschaft wunderschoen und so ganz anders ist als bei mir. Wir haben viele tolle Ausfluege gemacht. Besonders die Schoenheit der Duenen hat mich sprachlos gemacht. Einmal waren wir auch nachts schwimmen und haben mit Leuchtquallen gespielt. Solche geradezu perfekten Momente – die Millionen Sterne, das Licht des Ortes, welches sich im bewegten Wasser bricht und jede Blase golden scheinen laesst, wenn man mit der Hand durchs Meer gleitet – das sind fuer mich die Momente die dieses Auslandsjahr einzigartig machen und ich nie vergessen werde.
Danke nochmal Harmi und Rafael und Co. J
Nach einer sehr gluecklichen Woche ging es fuer mich dann wieder zurueck nach Salvador um meine lieben Eltern vom Flughafen abzuholen, wo sie dann mit einem Tag Verspaetung auch ankamen (Lufthansa streikte).
Verstaendlich habe ich mich sehr gefreut sie zu sehen und besonders die Geschichten aus Deutschland habe ich mir begeistert erzaehlen lassen.
Wir fuhren dann direkt zur Chapada Diamantia (eine Art Tafelgebirge mit tollen Hoehlen und Wasserfaellen). Besonders beeindrucken war eine Schnorchelexkursion, die wir in eine mit Wasser gefuellte stockdunkle Grotte machten. Als man aus der Grotte zurueck in einen glasklaren See schwamm konnte man die ganz verschiedenen Blau und Gruentoene der Unterwasserwelt sehen, welche durch die unterschiedlich starke Sonneneinstrahlung erzeugt wurden. Noch ein Naturschauspiel J
Denn 2. Tag in der Chapada war ich leider krank und Mutti und Papa gingen allein auf Tour. Dann ging es endlich nach einem langen Monat zurueck in meine zweitheimischen Gefielde.
Von unserem Anwesen waren Mutti und Papa nicht ganz so begeistert hatte ich den Eindruck, da sie gleich diverse Verbesserungsvorschlaege vortrugen. So guckten wir uns noch 4 Tage die Umgebung an und dann hiess es auch schon wieder Abschiednehmen! Schade das mein Nati nicht dabei war L
Jetzt bin ich schon wieder 2 Wochen hier. Das Haus ist ein bisschen zu leer ohne Philipp und Friedlich verschwindet auch regelmaessig wer-weiss-wozu... Doch mir gehts gut. Ich arbeite schon wieder mit Fabiana ein bisschen, gehe surfen oder mache andere schoene Dinge J
Dann gibt es noch eine sehr schlechte Nachricht. Schon letztes Jahr hat sich die finanzielle Situation der Schule verschlimmert. So gab es zum Beispiel im Kindergarten keine Fruechte mehr und andere Ausgaben wurden minimiert, doch jetzt ist die Lage wirklich ernst geworden: Die Schule musste 4 vollzeitbeschaeftigte Lehrer und ein Functionario entlassen, weil das Geld fuer die laufenden Kosten an allen Enden nicht reicht. Gruende dafuer sind die allgemeine schlechte wirtschaftliche Lage, sodass viele Paten der Schule und andere Unterstuetzer sich zurueckgezogen haben. Nun fehlen: Die Musiklehrerin, die Handarbeitslehrerin, die Kindergaertnerin der anderen Gruppe, die Lehrerin fuer Foerderunterricht und einen Hausmeister. Desweiteren wurde auch gar kein neuer Englisch und Gartenbaulehrer eingestellt. Im Vergleich zu letztem Jahr fehlen also ganze 7 Personen und viele wichtigen Angebote der Schule fuer die Kinder fallen weg. Es macht mich traurig, dass es letztendlich doch am Geld scheitert. Dass die Kinder kein Instrument mehr lernen koennen, dass es fuer lernschwache keine extra Foerderung gib und alle kostenlastigen Projekte oder Ausfluege nicht mehr realisierbar sind.
Bisher habe ich mich immer gescheut Menschen aus meinem Umfeld um Geld fuer meinen Freiwilligendienst und die Schule zu bitten, da ich denke das Entwicklung vor allem durch die Menschen hier, die Brasilianer, geschehen muss.
Dies denke ich auch weiterhin, doch hilft es dem Einzelfall, dem Kind das nie die Moeglichkeit hatte mit guten Lehrern Englisch zu lernen, nicht weiter. Jedes Angebot was im Bereich Bildung wegfaellt, schlaegt sich spaeter im Leben, Denken und Handeln der Menschen nieder. Ich selbst sehe oft wie abhaengig der Horizont eines Menschen von seiner Bildung ist. Die oeffentliche Schule in Serra Grande ist schlecht, die Lehrer unmotiviert, oft selbst nur unzureichend fuer ihre Arbeit gebildet. Nach dem Abschluss ihrer sind die meisten Jugendlichen nicht in der Lage den Aufnahmetest der Universitaeten zu schaffen. Darauf richtig vorbereitet wird man nur in einer Privatschule. So gehen zum Beispiel alle ehemaligen Dende-Schueler aus wohlhaberenden Familien auf eine gute Privatschule in Ilheus, unter anderem auch die beidne Toechter Silvias. Hier in meinem Umfeld ist Bildung wirklich in der Mehrheit eine Frage des Geldes.
Die Dende da Serra Schule konnte im Gegensatz zur oeffentlichen Schule in Serra bisher immer Unterricht auf dem Niveau eines Industrielandes machen. Ob das jetzt weiterhin moeglich sein wird weiss ich nicht.
Deswegen bitte ich alle, die diesen Blog-Eintrag jetzt lesen sich ernsthaft Gedanken zu machen. Gedanken zu machen ob ihr helfen wollt. Ja ich bitte euch Geld zu geben, denn ich weiss dass es in diesem Fall wirklich die Loesung ist um der Schule zu helfen. Geld um die Grundlage zu bezahlen: Die Gehaelter der Lehrer.
Das ist moeglich mit einer Patenschaft, aber auch jeder sonstiger Betrage, egal ob einmalig, monatlich, klein oder gross hilft.
Wenn ihr selbst kein Geld habt, tragt diesen Aufruf auch bitte an eure Eltern und sonstiges Umfeld weiter.
Bei Fragen, fragt mich oder lest hier nach. http://www.dendeserra.org.br/alemao/padrinhos_01.html
Der normale Patenschaftsbetrag ist 70 Euro im Monat, aber viel kleinere Summen sind willkommen.
So genug jetzt von Sorgen. Ihr hofft jetzt bestimmt auch noch auf einen wilden brasilianischen Karnavalbericht, aber der waere eher unspektakulaer. Ich hab zwar gut gefeiert, aber es gab nichts was mich sonderlich beeindruckt haette oder beim Karnaval der Kulturen in Berlin nicht auch dabei sein koennte. Gut, aber ich war ja auch nicht in Salvador oder Rio, wo der richtige 1. Liga-Karnaval ist.
Ueber die Haelfte des Jahres ist nun schon um und immer oefter denke ich an Studienbewerbungen und die Rueckkehr nach Deutschland. Meine Zukunft ist jetzt nicht mehr so sehr die verbleibende Zeit in Brasilien sondern schon wieder in Europa.
Ich vermiss euch!
Eure Laura~

Aja ich bin Paraglider geflogen :D!!!!!







Fabiana mit den Kindern im Fluss badend



Die billigste Pousada in Ilheus, ja da schlafen die armen Freiwilligen immer




da hab ich in Canoa gewohnt



Rafaels Mutter, ich und Harm



Rafael




Harm hatte ein geographisches Tier, was sich unter der Haut durchs Fleisch friesst...



tote Moraene



toter Delphin



Strand von Canoa





auf den Duenen








mit Mutti und Papa in der Chapada Diamantina
















zurueck in Sargi!






















Mittwoch, 7. Januar 2009

Hey ihr :)!

Nur ein kurzez Zwischenhallo weil ich wahrscheinlich bis Anfang Februar nicht dazu komme einen ordentlichen Blogbericht mit Fotos und so zu schreiben. Weihnachten und Silvester sind ueberstanden und jetzt bin ich mit Harm auf Reisen.

Salvador - Morro de Sao Paulo - Praia da Pipa - Canoa Quebrada

Mir gehts gu obwohl ich gesundheitlich so manche Wehwehchen hatte...

Alles Liebe euch und wem ichs noch nicht gewuenscht habe, frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

Eure Laura



Schoene Musik aus Brasilien, hab mir die Cd gekauft :):

http://de.youtube.com/watch?v=8CCJyVpzHPc

Freitag, 19. Dezember 2008

Friedrich, die Fruchtwoche und mehr

Ja Friedrich gibt es eigentlich schon eine ganze Weile, nur habe ich bisher vergessen ueber ihn zu berichten.



Das ist er.


Angeschaft haben wir ihn uns eigentlich aus dem ganz praktischen Grund dasss er irgendwann mal all das Ungeziefer fresse soll was unser Haus bevoelkert. Der perfekte Jaeger ist er zwar noch nicht, aber ist ist unverkennbar das er ein richtiger brasilianischer Hofkater ist und nicht so vermenschlicht wie die Katzen in Deutschland. Der Name ist fuer alle Brasilianer so gut wie unaussprechlich, was unsere Absicht war.
Wenn Philipp mal allein mit ihm zu Hause ist spielt er sehr liebevoll mit ihm, was Friedrich grossen Spass macht.
Insgesamt hat die Natur hier einen viel groesseren Einfluss auf unseren Haushalt. Jeder dreckig stehengebliebene Topf wird z.B. sofort am naechsten Tag mit einer Invasion der wiederlichsten Tiere bestraft. An manchen Waenden bilden sich regelmaessig Bauten von Termiten (oder irgendwelchen anderen Ameisen-aehnlichen Wesen), die trotz Entfernen immer wieder neu aufgebaut werden. Ein Haertefall war z.B. auch als wir aus Sao Paulo zurueck kamen und einige Klamotten und Kissen geschimmelt waren...
Wie viele daheimgebliebenen, die jetzt studieren, kann ich nicht von grossem Lernstress und Fluegen in intellektuellen Hoehen berichten. Jeder Tag gleicht doch sehr den anderen, obwohl wir eigentlich am Wochenende immer was anderes unternehmen. Wahrscheinlich aus dieser Langeweile heraus haben wir letzte Woche eine Fruchtwoche gemacht. Das heisst nach der Schule haben wir den restlichen Tag nur noch Fruechte gegessen. Hat ganz gut geklappt, ich hab sogar ein Kilo abgenommen und wir haben fast bis zum Schluss durchgehalten.
Morgern ist der letzte Schultag im Kindergarten und dann sind bis Anfang Maerz Ferien. Ich habe aber nur 30 Ferientage, die aber allemal ausreichen.
Langsam merke ich auch wie das Verhaeltnis zu den Kindern der 6. Klasse, die ich immer Mittwoch Nachmittag im Handarbeitsunterricht habe, verbessert. Diese Stunden sind eigentlich immer die problematischsten der ganzen Woche fuer mich. Einerseits weil die Lehrerin noch neu ist und die Schueler ihr nicht den noetigen Respekt entgegenbringen und die 2 Stunden immer ein relatives Chaos sind. Das Szenario sieht ungefaehr so aus, dass nur wenige auf ihren Plaetzen sitzen und arbeiten und die anderen singen, schreien, werfen Papierkuegelchen oder machen anderen Bloedsinn. Andererseits ist meine Position als Voluntaria schwierig, sodass ich mich oft zwischen den Fronten haengend fuehle. Zu vielen Kindern habe ich langsam ein freundschaftlichen Verhaeltnis entwickelt. Es hat mich z.B. sehr gluecklich als neulich ein besonders schwieriges respektloses Maedchen, mit dem ich auch schon meine Auseinandersetzungen hatte, (ich glaube nach der ersten Stunde habe ich sie Philipp einfach nur als boese beschrieben) zu mir kam und ein gemeinsames Foto mit mir wollte.

Das ist z.B. Jennifer die echt mittlerweile sehr lieb gewonnen habe wegen ihrer lustigen Art.

Dieses freunschaftliches Verhaeltnis geht aber auch so weit, dass mir ausserhalb der Schule erzaehlt wird wie bloed doch die Handarbeitslehrerin ist, wogegen ich nur hoffnungslos anreden kann. Doch dann im Unterricht muss ich wieder eine voellig andere Position einnehmen. Ich muss Anweisungen geben, Kinder zurechtweisen und boese gucken wenn es Camila (die Lehrerin) auch tut. Besonders schwer faellt mir das, da die Kinder schon seit geschlagenen 4 Monaten damit beschaeftigt sind irgendwelche Stoffpferde zu naehen... eine Arbeit die ich mit 12 Jahren sicher auch nicht gemacht haette.
Ich habe mich auch schon oft gefragt ob dieses Problem mit der Waldorfpaedagogik zusammenhaengt. So scheint es hier den Kindern an einem Grundrespekt gegenueber Lehrern total zu fehlen. Ob eine Klasse den Klassenraum auch nur betritt, haengt allein von der Autoritaet des Lehrers ab. Auch faellt durch das Fehlen von Noten ein grosser Druck und Teile des Lernansporns weg, der mir insbesonders in den hoeheren Klassen als unbedingt notwendig erscheint. Trotzdem ist die Schule insgesammt qualitativ sehr sehr gut (was auch an den super Lehrern liegt).
Heute waere eigentlich Capoeira gewesen, aber leider kann ich momentan nur humpelnd laufen... Einige Wunden von Glasscherben und vom Surfen haben sich entzuendet, was hier auch Standard ist. Und da immer wieder Dreck reinkommt gestaltet sich die Heilung als schwierig.
Aber momentan bin auch wieder am Raendermalen.
Alles Liebe euch daheim :)
Eure Laura




Noch ein paar Bilder:



Ich am Strand und beim kurzen Ritt auf dem Pferd einer Bekannten





Capoeira am Strand





Haus der Familie einer Kleinen aus meiner Kindergartengruppe... fuehr sechs Personen und
einfach winzig. Ausserdem weder Bad noch Dusche.



Bloedsinn mit meinen blonden Haaren im Kindergarten

Dienstag, 2. Dezember 2008

Blumenkuesser

Hallo ihr geduldigen Blogleser :)

Ich weiss der letzte Bericht ist lange her. Und mittlerweile hat sich soviel Erlebtes angestaut das die Hemmschwelle einen neuen Eintrag zu schreiben relativ hoch war. Nichts moechte ich gerne auslassen und doch waere ueber alles zu schreiben ein wahnsinniger Zeitaufwand. Neuigkeiten aus meiner Umgebung und zwei grosse Reiseberichte aus Salvador und São Paulo. Deswegen greife ich zu einer sehr unpersoenlichen Loesung. Als Salvador-Bericht setzte ich euch einfach den von Philipp vor (der natuerlich qualitativ einem von mir in nichts nachstehen wuerde ;). Besonders das Waldorfseminar betreffend habe ich da sehr aehnliche Ansichten.
Viel Spass damit :)

Salvador - Für 2 Tage Touri sein (von Philipp)

Fünfspurige Straßen; Häuserschluchten; Stadtlärm.
Diese Eindrücke weckten mich morgens aus dem viel zu kalten Schlaf im (leider) klimatisierten Nachtbus nach Salvador auf. Die Morgensonne taucht immer wieder zwischen den Hochhäusern auf und beleuchtet die schon um diese Uhrzeit voll befahrenen Straßen unregelmäßig und lässt mich mit noch immer schlafenden Augen wundern, wo ich eigentlich gerade bin.
Salvador - die größte Stadt Bahias und ehemalige Hauptstadt Brasiliens - ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich bislang in den letzten 3 Monate von Brasilien gesehen habe. Laura, Tiago, Fabiana (Kindergärtnerin in Dendê da Serra) und ich ließen für ein Wochenende die so überschaubare und langsam recht gut bekannte Gegend rund um Serra Grande zurück, um das Neuland einer brasilianischen Großstadt zu erleben. „Neuland“ natürlich nur für Laura und mich, da Tiago selbstverständlich schonmal dort war und Fabianas Mutter Lais dort wohnt, was uns dann auch die Möglichkeit einräumte, bei selbiger von Samstag auf Sonntag kostenlos schlafen zu können.
Angekommen an der Rodoviaria, dem Busbahnhof der überregionalen Busse, ist es erstmal wieder ungewohnt, so viele unbekannte Menschen hektisch durch die Gegend laufen zu sehen. Da merke ich, wie viele Leute ich in Serra schon „kenne“, das heißt, zumindest schonmal gesehen habe. Eine wahrscheinlich semioffizielle Mischung aus einem öffentlichen und privaten Bus, dessen Cobrador (Fahrkartenverkäufer) an jeder Haltestelle den öffentlichen Stadtbussen die Fahrgäste abquatschen will, bringt uns zu der Schule, an der Fabianas Beweggrund zu dieser Reise stattfinden soll - ein echtes Waldorfseminar!
Da Laura sich ebenfalls im Voraus zu diesem Seminar angemeldet hat und Tiago sich das ganze auch mal anschauen will, stehe ich vor der Wahl plan- und stadtplanlos Salvador alleine zu erkunden oder ein, wie gesagt, echtes Waldorfseminar zu besuchen. Tragischerweise entscheide ich mich für letzteres, was mir im Laufe des Vormittags leider nicht viel mehr als ein amüsiertes Lächeln und ein fragendes Kopfschütteln bescheren soll.
Nach einem Begrüßungslied und der Bestätigung, dass sich alle sehr lieb haben, habe ich meine erste Begegnung mit der Eurythmie, den (mehr oder weniger) koordinierten Bewegungen und Gestiken in Einklang mit lyrischem Text. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es vielleicht daran lag, dass wir eine Choreographie für die 3. Klasse spielten, jedoch verwehrte ich mir nicht des Eindruckes, dass es einfach sehr albern ist, wenn 40 Erwachsene Menschen mit wehenden Armen, „strella-strella“ rufend durch den Raum schweben um so den Nachthimmel darzustellen...
Der darauf folgende Vortrag lässt mich zunächst schmunzeln und ich halte es für einen Scherz - es geht um „cabeça grande“ und „cabeça pequena“: Großköpfe und Kleinköpfe. Kinder lassen sich anhand ihrer Kopfgröße in zwei Kategorien einteilen (die Antroposophie scheint viel in Kategorien zu denken, wie ich feststelle), und diese prägen ihr Wesen. So sind Kinder mit einem großen Kopf viel verträumter, phantasievoller, schweifen gedanklich eher ab, leben mit ihrem Kopf nicht „auf dieser Welt“, während allerdings Kinder mit einem kleinen Kopf aktiver, erdgebunden und auf Hand- oder körperliche Arbeit fixiert sind. Großköpfe schlafen länger und träumen viel, stehen morgens ungern auf und lassen sich mit einem Spritzer kalten Wasser ins Gesicht in die Realität zurückholen; Kleinköpfe brauchen Wärme zur Beruhigung ihrer hohen Aktivität, es gibt auch eine spezielle Wickeltechnik, um ihnen ein warmes Handtuch um den Bauch zu binden. Der Großkopf soll eher salziges Essen und Wurzeln oder tiefwachsende Gemüsesorten verzehren, der Kleinkopf brauch süßes, buntes Essen wie zum Beispiel Früchte oder Säfte.
Soweit die Theorie.
Doch wo diese Thesen herkommen?
Wurde nicht erwähnt.
Und wie das belegt wurde und wird?
Wurde nicht erwähnt.

Die bereitwillige Zustimmung im Publikum läßt mich ein bisschen frösteln und mich fragen, wie man so vorschnell Kinder beurteilen kann und ob das richtig ist zu versuchen, Kinder in zwei Kategorien einteilen zu wollen. Also doch kein Scherz das ganze. Auf die Frage, ob dies denn immer zutrifft, antwortet die Vortragende: Nein, natürlich gibt es Ausnahmen.
Und wenn nun 50% der Fälle „Ausnahmen“ sind? Und die Wahrnehmung so fixiert ist, dass sie eben nur diese Fälle wahr nimmt, bei denen es gerade zutrifft und so die Theorie scheinbar bestätigt wird?
Ich will auf gar kein Fall abstreiten, dass es diese Typen von Kindern gibt, aber zu behaupten, die Kopfform bestimme das Wesen eines Kindes, klingt für mich aus der Luft gegriffen, unbelegbar und wahllos.
Nach dem Mittagessen entscheiden wir drei, Laura, Tiago und ich, uns, die Zeit sinnvoll zu nutzen und die Stadt anzuschauen. Oder besser gesagt, wir wollen versuchen die Stadt anzuschauen.
Wir bummeln ein paar Touripunkte ab, sehen die Altstadt, schlendern durch die Gassen - aber es war weit weg von „die Stadt kennenlernen“ oder „Salvador erleben“. In meinen 3 Monaten in Serra war es für mich möglich, das Leben dort im Ansatz kennen zu lernen: Mit den Menschen dort zu reden; dort zu arbeiten; dort zu wohnen. Doch 1 1/2 Tage müde durch eine Stadt zu rennen und versuchen mitzukriegen, wie das Leben dort funktioniert, indem man ein paar nette Fotos schießt, ist meilenweit davon entfernt. Auch mit vorheriger Planung des Wochenendes, auf die wir naiver Weise verzichtet haben, wäre das nicht wirklich möglich gewesen.
So kann ich bislang nur ein zwar sehr schönes und interessantes Bild von Salvador in meinem Kopf abspeichern, aber auch ein sehr oberflächliches. Es ist die Mischung aus den riesigen Hochhäusern, verfallenden Gebäuden in der Innenstadt, den Armenvierteln an den Hängen und das belebte Treiben auf den Plätzen, dass ich im Kopf behalte, mich aber fragend, wie es in diesen Häusern aussieht, was die Menschen reden und wie sie ihren Tag verbringen.
Auf der Heimfahrt, wieder in einem dieser winterlich gekühlten Nachtbusse, in die ich unwissend nur mit T-Shirt bekleidet einstieg, frage ich mich, wie anders es wäre, meinen Freiwilligendienst zwischen diesen fünfspurigen Straßen, den Häuserschluchten und dem Stadtlärm zu leisten, kann es mir aber nur sehr schwer ausmalen.

(Ich)
Jetzt zu São Paulo- eine umwerfende Stadt- und das bei weitem nicht nur im positiven Sinne. Dort waren wir wegen dem von Weltwaerts vorgeschriebenen 5taegigen Zwischenseminar, durch folgeneden Zufall wir Dende da Serra Freiwilligen aber ganze 10 Tage.
Es begab sich das mir eine nette Tam-Angestellte im letzten Moment dieses 10 Tage-Sonderangebot rausgesucht hatte, als ich schon fast mit meiner Kreditkarte einen vorher reservierten Flug (der ca. 400 Euro teurer war) bezahlt haette. Jene nette Angestellt hat wahrscheinlich an diesem Tag einen Verlust fuer die Fluglinie in Hoehe ihres Monatsgehaltes gemacht.
Viel hatten wir im Vorherein von den Leuten aus dem Dorf und der Schule ueber São Paulo gehoert, denn irgendwie hatte jeder schon mal fuer eine bestimmte Zeit in der 20-Millionenstadt gewohnt und gearbeitet.
Los gings also aus dem tropisch-heissen Sargi in das regnerische kalte São Paulo.
In dem naiven Glauben das es wohl auch dort sommerlich sein wuerde hatte ich nur eine lange Hose und keine geschlossenen Schule im Gepaeck. Das stellte sich schon bald als Fehler heraus und auch die Erinnerung, dass es sowas wie Kaelte gab kehrte in mein Bewusstsein zurueck.
Das Seminar fand in einem schoenen Sitio (sowas wie eine kleine Ferienanlage) ausserhalb von São Paulo statt und die Naechte vorher und nacher konnten wir gluecklicherweise bei Reinaldo, dem Seminarleiter, in seinem Haus am Stadtrand bleiben. Das Seminar habe ich als sehr schoen empfunden. Einerseits wegen der vielen Informationen und Einblicken in die Arbeit der anderen 12 Freiwilligen, welche alle ausschliesslich in der Naehe von São Paulo arbeiten, aber auch wegen der angenehmen geborgenen Atmosphaere.
Durch die Erzaehlungen der anderen hat sich die Sicht auf meine Dienststelle, sowie auch auf mein Leben insgesamt hier, spuerbar veraendert. Ich denke jetzt wir haben eine sehr gute Dienststelle „abbekommen“ (trotz der Startschwierigkeiten). Keine Probleme mit den Einrichtungsleitern, sehr sehr kompetente Lehrer und eine ausereifte Paedagogik. Auch durften wir uns recht neidische Kommentare anhoeren bezueglich Strand, Surfen und Wetter. Doch bietet eine Dienststelle einem in São Paulo Moeglichkeiten die wir nicht haben. Kino, abends Weggehen, Shoppen oder kulturelle Angebote, wie Theater, die mir in Serra und Umgebung sehr fehlen.
Offizielle Programmpunkte des Seminars waren z.B.: Stimmungs- und Arbeitskurve zeichnen, Einrichtung vorstellen, Vortraege von verschiedenen Dozenten, Austausch mit Brasilianern die in Deutschland waren, Besuch von einer Behinderteneinrichtung, Workshops wie T-Shirts selber gestalten oder Maculêle (ja den haben wir Dende-Freiwilligen organisiert ;)!). Leider war das Essen zu gut, sodass ich wahrscheinlich einen neuen Rekordstand erreicht habe, aber zu meiner Beruhigung haben fast alle anderen weiblichen Freiwilligen auch ca. 7 Kilo zugenommen.
Sehr gefreut habe ich mich auch Harm, einen anderenFreiwilligen, der in der Naehe von Fortaleza (noch weiter im Norden) ist, wiederzusehen. Mit ihm habe ich auch in den Tagen nach dem Seminar die Stadt erkundet.
Sagen wir es wie es ist, São Paulo ist einfach keine Touristenstadt. Die meisten Menschen geben sogar zu, dass sie nur da sind um Geld zu machen. Ich, mit meinem von Palmen und Strand getruebten Blick, habe sie in groessen Teilen als haesslich, grau und beunruhigend wahrgenommen. Da Reinaldo fast an der Stadtgrenze wohnt lagen zwischen uns und dem Anfang der eigentlichen Stadt immer 1 bis 2 Stunden rasanter Busfahrt, die mir manchmal richtig den Magen umdrehten. Man faehrt wirklich eine Stunde lang durch sich voellig gleichende Viertel, viele von ihnen Favelas. Rauf und runter. Besonders schlimm ist es im Berufsverkehr. Ab fuenf Uhr morgens bis ca. um neun sind die Busse (und es hunderte!- einer nach dem anderen) gerappelt voll. Ich frage mich wie die Menschen nach solchen zweistuendigen Busfahrten im Stehen noch die Kraft aufbringen acht Stunden zu arbeiten...? Und danach nochmal das ganze.
Besichtigt haben wir relativ wahllos Sachen, die uns die anderen Freiwilligen empfahlen. Riesige Einkaufsstrassen von Strassenhaendlern, wo sich die bunte quirrlige Seite der Stadt zeigte. Maerkte (haha ein Stueck hollaendischer Kaese 60 Reais), alte Bauten, futuristische Hochhaeuser und unglaublich ueberdimensionale Shoppingcenter. Eine Stadt des Alles. Alles gibt es hier. Zu kaufen, zu sehen, zu erleben. Von bettelarm bis zum ueberspruehenden Luxus.
Ich hoffe die Fotos lassen euch die riesigen Dimensionen der Stadt verstehen.
Nach diesen 10 Tagen war ich regelrecht froh wieder in mein gewohntes Leben in Bahia zurueckkehren zu koennen. Es hat mich ein bisschen erschreckt, dass ich mein kleines Dorf schon so vermisst habe... die Spannung steigt wie es dann erst in 8 Monaten aussieht ;)

Das Leben in Sargi geht ansonsten seinen gewoehnlichen Gang. Letztes Wochenende haben wir uns ein gebrauchtes Surfboard fuer 200 Reais gekauft.
Da die abendliche Beschaeftigung meistens nur aus Kochen und Essen bestand habe ich endlich mal ein paar Spiele wie Muehle und Schach besorgt. Gestern haben wir dann Muehle gespielt, aber ich habe ganz schrecklich verloren (das Spiel ist auch wirklich doof) und war ziemlich sauer... Zur Zeit gibt es ganz schlimme Gewitter, mit umkippenden Baeumen, Ueberschwemmungen und Stromausfaellen. Eigentlich recht lustig ;) Uns hats genau beim Kochen erwischt und da die Sonne schon untergegangen war, war es wirklich wirklich dunkel (Kerzen hatten wir natuerlich keine). Haben dann aber tapfer durchgezogen und sogar geniessbare Nudeln mit leckerer Sosse in vollkommener Dunkelheit gegessen. War ziemlich schwer mit der Gabel den Mund zu treffen ;) So und so aehnlich sieht also unser Alltag aus.

Meine Reiseplaene stehen jetzt auch langsam, Weihnachten und Silvester wird hier gefeiert und nach Silvester reise ich dann mit Harm die Kueste hoch, bis zu seiner Dienststelle, danach (Ende Januar) wieder schnell zurueck nach Salvador um meine lieben Eltern abzuholen!

Liebe Gruesse und allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit ;)
Eure Laura

Maculêle-Praesentation der 7. Klasse




Zusammensitzen mit Musik


... und Fackeltanz


neugestrichen












Grosskoepfe und Kleinkoepfe



Stadteindruecke aus Salvador




















mit T-Shirt in der Weihnachtswelt











Sao Paulo

































dieses Schiff ist da um den ganzen Muell aus dem biologisch toten Fluss zu holen