Dienstag, 9. Juni 2009

Fluege in grossen Linienmaschienen aus Brasilien....

Jaja hab schon wieder so getroedelt... der Blog ist schon seit 2 Wochen fertig, aber ich schaffs immer nicht ihn hochzuladen. Morgen bin ich in Ilheus uns werde versuchen den Blogeintrag endlich online zu bringen!! Dieses verlaengerte Wochenende fluechte ich aus Serra mit Fabiana, ihrem Anhang und Philipp nach Salvador :)
Aja und in meinem E-Mail-Postfach habe ich grad die Flugdaten gefunden.... Ich fliege am 12. August 18:10 in Salvador los, komme 9:50 in Frankfurt an und fliege dann weiter nach Berlin, wo ich am 13.08.09 um 12:55 ankomme :D Wer mich abholen moechte muss also noch nicht mal frueh aufstehen!

Montag, 27. April 2009

Haftsching, Gudang, Chinela, Brasília und Candomblé

Hallo ihr Lieben,

schon wieder anderthalb Monate um und ein bisschen was zum Berichten ist auch passiert. Ich lebe immer noch recht entspannt und gluecklich in unserem Haeuschen. Gehe jeden Tag in den Kindergarten und geniesse die Zeit die ich mit den Kindern verbringen darf.
Aber fang ich mal von vorne an: Vor ca. einem Monat hatte mein Mitbewohner Geburtstag und weil er eigentlich doch ganz nett ist ;) habe ich ihn eine Raftingtour in der Naehe von Itacaré geschenkt. Eine Woche spaeter ging es also los! Erstmal mussten wir anderthalb Stunden in ein kleinen abgeschiedenen Ort mitten im Urwald fahren. Das war nicht ganz so angenehm, da die Strasse nicht asphaltiert war und wir in dem normalen Auto, mit dem wir hingebracht wurden, sehr unsanft durchgeschuettelt worden sind. So kamen wir dann auch zu spaet zu dem Instruktionsteil, der nicht gerade sehr beruhigend war. Da es in den vorangegangen Tagen sehr stark geregnet hatte, wurde uns ein Rafting (die Brasilianer sprechen das Haftschi...) punki (anstrengend, verrueckt) versprochen. Und so sollte es sein. Die Bilder spiegeln die Adrenalinmengen in meinem Blut sicher gut wieder. Die Stromschnellen waren angsteinfloessender als ich erwartet hatte und die Gefahr das Boot koennte kippen und wir gegen die Felsen geschmissen werden schien staetig praesent. An einem ruhigeren Flussabschnitt sagte unser Bootsfuehrer dann wir koennten jetzt auch das Boot verlassen und uns eine Weile den Fluss hinuntertreiben lassen. Es ist ein unglaubliches Gefuehl einfach so schwimmend in einem wilden Urwaldfluss langzutreiben. Ich fuehlte mich wie das Dschungelkind Mogli und gefehlt hat nur noch Balu der Baer als mein Spielkamerad.
Des weiteren habe ich mich dem Angsthasen in mir gestellt; bin von einem Felsen gesprungen und habe Tiroleza gemacht (man rast festgemacht an einem Drahtseil aus beachtlicher Hoehe herunter und schlaegt dann auf die Wasseroberflaeche). Nach leider gerade mal 2 Stunden war dann aber alles schon vorbei und trotzdem war ich fuer den Rest des Tag sehr ausgelaugt. Wie ich es so zwischen den Zeilen gelesen habe (Boaahhh wie GEIL ist das denn!!!!!!) hat es Philipp auch ganz gut gefallen ;)
Seit einiger Zeit haben wir auch 2 neue Mitbewohner (Friedrich hat sich bei einer Nachbarsfamilie einquartiert wo er einen Spielkamerad hat...) namens Gudang und Chinela: 2 Kuecken. Philipp war dagegen aber ich habe sie aus Ilheus mit zu uns gebracht, damit sie sich um die Biomuellmengen, die in unserem Garten verrotten, kuemmern. Suess fand ich sie natuerlich auch. Mittlerweile sehen sie nicht mehr ganz so suess aus und verschmutzen ziemlich unsere Terrasse... Was aus ihnen werden wird ist noch ungewiss. Obwohl schon Plaene geschmiedet worden sind sie auf unserem Abschiedsfest zu schlachten bin ich strikt dagegen. Generell scheint Philipp nicht so recht zu wissen was gut fuer Huehner ist und was nicht, so hat er ihnen z.B. soviel Bier gegeben bis sie betrunken waren oder ihnen das Fliegen "beigebracht"...
Mittlerweile werden meine Studienbewerbugen recht konkret. Es ist sehr komisch sich hier zwischen Strand und Kindergarten ueber so etwas Gedanken zu machen, weil Deutschland und Studieren so weit weg ist und einfach nur unwirklich erscheint. Sachen die irgendwie Teil eines anderen Lebens sind.
Aber wie auch immer, es muss sein. Was genau und wohin ist steht alles nicht so genau fest, aber ich habe meine Praeferenzen um die ich mich in erster Linie kuemmere. Fuer einen Studiengang in Groningen, den ich sehr gerne machen wuerde, musste ich z.B. einen international anerkannten Englischtest , wie TOEFL oder IELTS, machen. So habe ich an dem letzteren vergangene Woche in Brasília teilgenommen. Was hier sich so routinemaessig anhoert, war in Wirklichkeit ein nervenaufreibendes Chaos. Erstmal gab es einen fuer mich rechtzeitigen und passenden Termin nur in Brasília, was schonmal eine kostspielige Tagesbusreise bedeutet. Fuer die schoene Natur naemlich bezahle ich hier sozusagen mit dem Kaff-Status.
Fuer das naechste Testdatum (der 30. April) hatte ich mich fast schon zu spaet angemeldet so das ich schnellstmoeglich alle Unterlagen schicken musste und auch die Teilnahmegebuehr gleich Montag frueh vor 12 ueberweisen sollte. Da ich kein brasilianisches Konto habe musste ich dafuer in die Bank, ein Erlebnis. Erstmal hat die in Iheus nur von 11 bis 16 Uhr auf und es herrschen arbeitsamtaehnliche Zustaende. Riesige Schlangen und alle wartende Kunden bekommen Nummern zugeteilt. Trotz allem habe ich das Geld rechtzeitig ueberwiesen, doch die wirkliche Ueberraschung kam 2 Tage spaeter. Abends am 15. (!!!!) April, ein Mittwoch bekam ich die Bestaetigungs E-Mail das ich fuer den Test am 18. (!!!!!) April, Samstag eingetragen bin. Verstaendlicherweise brach ich in relative Panik aus, da ich NICHTS geuebt hatte und nichtmal wusste ob ich es rechtzeitig nach Brasília schaffe, da nicht sicher war ob am folgenden Tag ein passender Bus faehrt. So fuhr ich am Donnerstag mit meinem hektisch gepackten Rucksack frueh morgens zur Schule und sagte Bescheid, dass ich nach Brasilia muesste und danach direkt nach Ilheus. Als ich beim Conselho britanico anruf wurde mir bestaetigt dass es wirklich nur den Termin am 18. gebe. Zum Glueck gab es Donnerstag Abend einen Bus der Freitag Abend in Brasília ankommen wuerde, sodass ich es zu dem Examen Samstag Mittag schaffen konnte.
Freund von langen Busfahrten werde ich wohl nie werden, aber in Brasília wurde ich dann supernett von Freunden mit Auto abgeholt. Mich noch alleine durch eine unbekannte Stadt finden zu muessen haette ich beim besten Willen nicht mehr gewollt/geschafft. Die Tage habe ich bei der Familie gewohnt, die ueber Weihnnachten in Sargi waren. Am naechsten Tag wurde ich auch zum Test gefahren und wieder abgeholt. Der Test an sich war anspruchsvoller als ich erwartet hatte, aber ich denke ich habe mich ganz gut geschlagen. In einer Woche muesste ich auch das Ergebnis haben.
Samstag Abend nach dem Examen war dann also der Stress vorbei und vor mir lagen 2 freie Tage in der Hauptstadt des Riesenlandes Brasiliens. Wie schon in Canoa Quebrada habe ich mich sehr wohl gefuehlt, weil ich wieder im Schoss einer Familie umsorgt wurde und alle wirklich sehr sehr nett waren und mir unglaublich geholfen haben.
Des weiteren ist Serra Grande sehr schoen, aber ich glaube alle deutschen Frewilligen haben sich hier zu einem bestimmten Zeitpunkt schon mal "gefangen" gefuehlt. Immer die gleichen Leute, die gleiche Arbeit, die gleiche Musik, die gleichen Feste, die gleichen Unterhaltungen. Es kann einen sehr frustrieren und muede machen, sodass ich manchmal sehr froh fuer Abwechslung, wie dieses Wochenende in Brasilia, bin. Und danach freut man sich sogar und ist schon ganz aufgeregt wieder nach Serra zurueck zu kommen und den neusten Klatsch und Tratsch zu hoeren.
Samstagabend in Brasília waren wir erstmal ordentlich feiern und tanzen in einem schoenen Club. Sonntag waren wir auf dem Sitio der Familie, schwammen, aßen, spielten Schach und redeten viel ueber Deutsche, Brasilianer, Bahia und Brasília. Die Familie kam aus der oberen Mittelschicht und ich habe wirkich den Unterschied zu vielen Leuten gemerkt, mit denen ich in Serra meine Zeit verbringe. Ihnen war irgendwie bewusster das ich aus einer voellig anderen Kultur komme und haben sich sehr fuer Deutschland; die Sprache, die Geschichte und die Kultur interessiert. Die Leute in Serra (natuerlich kann man das nicht verallgemeinern) leben eher so in ihrer eigenen kleinen Welt, und fuer die Dinge hinter ihrem Horizont fehlt ihnen das Bewusstsein und so richtig interessieren tuen sie sich dafuer auch nicht.
In besonders krassen Faelle kann ich mich sehr darueber aergern. Z.B. wenn die Putzfrau im Kindergarten ueber mich lacht, weil ich nicht wusste wie man irgendwas naeht (was ja dort jede Frau kann). Am liebsten wuerde ich ihr dann sagen, dass ich halt in Deutschland nicht die ganze Zeit genaeht habe und ihr an den Kopf werfen, dass sie noch nichtmal lesen kann und ich sie ja auch nicht ueber sie lache. Aber gut. Niemand will Streit also laechle ich einfach freundlich zurueck und halte mich an die Leute mit denen ich mich besser verstehe.
Aber gut, ich war bei meinen Brasíliaerlebnissen. Sonntagabend war ich mit der Familie bei einem riesigen Kirchenfest, wo wir auch Forró getanzt haben. Es war sogar der Buergermeister da und auf einer grossen Buehne spielte eine superbeliebte Band. Das Publikum dazu bestand hauptsaechlich aus jungen Leuten und Familien. Die Kirchen in Brasilien und ihr Stand in der Gesellschaft sind nochmal ein ganzes Kapitel fuer sich.
Montag haben wir dann Sightseeing gemacht. Die Fotos hat leider noch Felipe, sodass ich mit Hochladen noch warten muss bis er die mir geschickt hat.
Ich weiss nicht wieviel euch ueber die ganz besondere Geschichte und Architektur von Brasília bekannt ist, aber nacherzaehlen werde ich jetzt nicht alles, guckt bei wikipedia ;) Obwohl viele Leute die Stadt nicht moegen hat sie mir sehr gut gefallen. Alles hat riesige Dimensionen und symbolisiert gut die Macht die von diesem Ort ausgeht, wo ueber das Schicksal eines unglaublich grossen und unterschiedlichen Landes entschieden wird.
Besonders fasziniert war ich von dem aviao (Flugzeug) und habe staendig gefragt ob man es sehen kann ;)
Mit Hilfe der Familie habe ich dann auch einen sehr guenstigen Flug am Dienstag gefunden, sodass ich Nachmittags wieder in Sargi eintrudelte, wo Philipp mir berichtete das "nichts Aufregendes" passiert ist. Na so ein Glueck ;)
Diese Woche habe ich auch erfahren das vom 20. Juni bis 20. Juli nochmals Schulferien sind und wir wahrscheinlich nicht sooo viel arbeiten muessen... vielleicht schaff ichs ja noch nach Rio! Aber bis August strenge ich mich jetzt nochmal ganz viel an und gebe mein Bestes im Kindergarten.
Gestern Abend hatte ich nach so langer Zeit (immerhin bin ich schon ueber 8 Monate hier und langsam denkt man immer, man kennt schon alles) ein voellig faszinierendes neuartiges Erlebnis. Ich war bei einer Candomblé-Zeremonie. Dies ist eine Religion die die Sklaven aus Westafrika mitbrachten und sich bis heute bewahrt haben, trotz Verbot der oeffentlichen Ausuebung zur Zeit der Sklaverei. Mitgenommen hatte uns unser Capoeira-Lehrer und es war ein sehr fremdartig und trotzdem beruehrendes Erlebnis. Dunkelhaeutige Frauen in bunten Roecken tanzten zu Trommelklaengen und manche verfielen sogar in einen Trancezustand. Das hoert sich alles ziemlich unglaublich an, lest am besten hier auch im Internet nach um eine Idee zu bekommen. Des weiteren gab es jede Menge zu Essen, doch ich habe mich irgendwie nicht getraut. Ich war die einzige Blondhaarige und eine der wenigen Weissen. Es gibt hier das oefteren solche Situationen. Ich bin und bleibe eine Fremde. Und nicht selten wird man angestarrt, so wie in Deutschland alle einen Schwarzen anstarren wuerden. Besonders da Candomblé die Relion der schwarzen Sklaven ist, welche von den Kolonialherren, die so schoen weiss und "reich" wie ich waren, ausgebeutet und unterdrueckt worden sind. Tiago mein Capoeira-Lehrer meinte dann, dass seine Mutter gesagt hat, das ihr Opa auch ein Sklave war. Es ist schon komisch das man dann heute so nebeneinander steht und alles ist vergessen. Scheint vergessen. Doch Candomblé gibt es noch, wurzelnd in der Sklaverei, der Ausbeutung von Schwarz durch Weiss.
Weitere Neuigkeiten? Mich ist ausser meinen Eltern immer noch niemand besuchen gekommen.... Auf Condor gibt es Fluege von Frankfurt nach Salvador fuer 500 bis 600 Euro!!
Der Link: http://www12.condor.com/tcf-de/langfliegen.jsp#SSA
Unter Langfliegen gucken.
Also los Leute :)!
Bis zum naechstenmal ihr da draussen :)
Und: Alles liebe zum Geburtstag Mutti!!!
Eure Laura aus Brasilien























Teil der Familie bei der ich in brasilia gewohnt habe






Gudang



Chinela


bei Philipps Geburtstagsfeier haben die beiden ordentlich einen ueber den Durst getrunken




ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh








Montag, 2. März 2009

Reisen

Hallo liebe Freunde der russischen Tanzmusik J
Ein neuer Blogeintrag, nachdem Vorwürfe einer gewissen Person laut wurden ich würde sie nicht an meinem Leben teilhaben lassen. Also lest und habt teil!
Weihnachten. Ja dieses Weihnachten war wohl das bisher komischste meines bisherigen Lebens. Einerseits kommt bei Strand und Sonnenschein nicht grad das deutsche grau-kalte Weihnachtsfeeling auf, andererseits wird das Fest der Liebe von den Brasilianer auch sehr zu einem weiteren Grund zum Party-machen degradiert. Besinnlich mit der Familie zusammensitzen liegt nicht sehr in der Natur der typischen Bahianer.
Der heilige Abend stand also ganz ploetzlich vor der Tuer. Trotz all der wiedrigen aeusserlichen Bedingungen versuchen Philipp und ich doch noch in einem Gewaltakt Besinnlichkeit in unser Haus einkehren zu lassen. Philipp stellte einen praechtigen Palmenzweig im Wohnzimmer auf, den er mit Glitzergirlanden und Leuchtketten schmueckte und ich habe gekocht. Zur Feier des Tages assen wir auch mal an unserem schicken Holztisch im Wohnzimmer und nicht am schon etwas abgewetzten Plastiktisch in der Kueche.
Auf dem Sofa bahrten wir die sehr geringe Zahl an Geschenken auf und es war erstaunlich wie schnell die Bescherung vorbei ging, wo sich in Deutschland der Akt des genuesslichen Geschenke auspackens und bewundern doch immer ueber den ganzen Abend hinzieht.
Schnell war es mit der Besinnlichkeit vorbei als eine Familie aus Brasilia, die wir kennengelernt hatte, hereingelaermt kam und uns zum Uno-Spielen einlud. Wir nahmen an und so ging mein heiliger Abend in Brasilien dann auch zu Ende.
Silvester lag den Brasilianer dann schon wieder mehr. Wir waren bei einer teuren Strand-Party in Itacaré, wo wir bis zum Sonnenaufgang getanzt wurde.
Am 3. Januar ging dann also die grosse Reise los mit Harm, der schon vor Silvester eingetrudelt war.
Zuerst waren wir 5 Tage in Salvador und haben gemaechlich die Touristenattraktionen abgeklappert und sind manchmal auch einfach nur ziellos durch die Stadt gewandelt und haben sie auf uns wirken lassen. Alles in allem war es: sehr heiss, alt, neu, chaotisch, kulturell, rythmusgeladen – einfach die typische Atmosphaere Bahias, die man nur selber vorort spueren kann.
Danach ging es weiter nach Morro de Sao Paulo.Eine Insel die meist die Brasilianer selbst anzieht. Wir sahen wunderschoene Natur - Straende, tolle Schnorchelpletze, rote Klippen – doch nur eins stoerte: Die riesigen Menschenmassen, sodass von der wirklichen Schoenheit der Insel fast nichts mehr zu sehen war. Harm ist dann auch noch in einen Seeigel getreten... Schoen war trotzdem: Pferd mieten und am Strand entlanggaloppieren, Bootsausflug zu unberuehrten Nachbarinseln und natuerlich die roten Klippen. Dort gab es an einer Stelle ganz viel roten Schlamm, der angeblich gut fuer die Gesundheit sein sollte und alle Touristen sich wie kleine Schweinchen drinn suhlen konnten. Das haben Harm und ich auch zu genuege getan. Leider wurde in Canoa spaeter Harms Kamera geklaut/verloren (die geneuen Umstaende sind bis heute unklar), sodass die wunderbaren Fotos dieses Ereignisses verloren gingen.
Der negative Hightlight unseres Aufenthaltes war leider die Rueckfahrt mit dem Catamaran nach Salvador. Niemand warnte uns vor, nichtmal Lonely Planet und so bekamen wir fuer teure 70 Reais den 2-Stuendigen Horrortrip unseres Lebens. Nach ca. 5 Minuten war klar worauf wir uns eingelassen hatten und nach 10 landete das Fruehstueck auch schon im Meer. Insgesammt habe ich mich 8 Mal uebergeben, oder zumindest gab mein Koerper das Signal dazu. Harm ging es fast noch schlechter. Am Ende lag er im einzigen Schatten auf dem Catamaran vor dem Klo, halb ohnmaechtig und ich hing fast weinend ueber der Reling, alle Passagiere um mich herum hilten Sicherheitsabstand. Noch endlos langen 2 Stunden ging dann die Fahrt endlich zu Ende und wir schleppten uns wuetend und voellig entkraeftet von Bord.
Die naechste Nacht blieben wir noch in Salvador zum Ausruhen.
Des weiteren kenne ich jetzt den kaeltesten Ortes ganz Brasiliens: Der Ueberlandbus von Salvador nach Fortaleza. Aber auch das wurde ueberstanden und nach ca. 30 Stunden Reise kamen wir dann endlich in dem beruehmten Ferienort Canoa Quebrada an der Kueste des Bundesstaates Céara an. Harm arbeitet in einem kleinen Fischerdorf das direkt neben Canoa liegt und sich dank eines strengen Bauverbotes von Pousadas seine Urspruenglichkeit erhalten hat. Waerend der gesammten Woche meines Aufenthaltes kamen wir bei der Familie von Harm Freund unter. Ich habe mich schon so wohl wie noch lange nicht gefuehlt. Einerseits weil ich sehr herzlich aufgenommen wurde und endlich mal wieder an so einem richtigen Familienleben teilhaben konnte. Andererseits weil die Landschaft wunderschoen und so ganz anders ist als bei mir. Wir haben viele tolle Ausfluege gemacht. Besonders die Schoenheit der Duenen hat mich sprachlos gemacht. Einmal waren wir auch nachts schwimmen und haben mit Leuchtquallen gespielt. Solche geradezu perfekten Momente – die Millionen Sterne, das Licht des Ortes, welches sich im bewegten Wasser bricht und jede Blase golden scheinen laesst, wenn man mit der Hand durchs Meer gleitet – das sind fuer mich die Momente die dieses Auslandsjahr einzigartig machen und ich nie vergessen werde.
Danke nochmal Harmi und Rafael und Co. J
Nach einer sehr gluecklichen Woche ging es fuer mich dann wieder zurueck nach Salvador um meine lieben Eltern vom Flughafen abzuholen, wo sie dann mit einem Tag Verspaetung auch ankamen (Lufthansa streikte).
Verstaendlich habe ich mich sehr gefreut sie zu sehen und besonders die Geschichten aus Deutschland habe ich mir begeistert erzaehlen lassen.
Wir fuhren dann direkt zur Chapada Diamantia (eine Art Tafelgebirge mit tollen Hoehlen und Wasserfaellen). Besonders beeindrucken war eine Schnorchelexkursion, die wir in eine mit Wasser gefuellte stockdunkle Grotte machten. Als man aus der Grotte zurueck in einen glasklaren See schwamm konnte man die ganz verschiedenen Blau und Gruentoene der Unterwasserwelt sehen, welche durch die unterschiedlich starke Sonneneinstrahlung erzeugt wurden. Noch ein Naturschauspiel J
Denn 2. Tag in der Chapada war ich leider krank und Mutti und Papa gingen allein auf Tour. Dann ging es endlich nach einem langen Monat zurueck in meine zweitheimischen Gefielde.
Von unserem Anwesen waren Mutti und Papa nicht ganz so begeistert hatte ich den Eindruck, da sie gleich diverse Verbesserungsvorschlaege vortrugen. So guckten wir uns noch 4 Tage die Umgebung an und dann hiess es auch schon wieder Abschiednehmen! Schade das mein Nati nicht dabei war L
Jetzt bin ich schon wieder 2 Wochen hier. Das Haus ist ein bisschen zu leer ohne Philipp und Friedlich verschwindet auch regelmaessig wer-weiss-wozu... Doch mir gehts gut. Ich arbeite schon wieder mit Fabiana ein bisschen, gehe surfen oder mache andere schoene Dinge J
Dann gibt es noch eine sehr schlechte Nachricht. Schon letztes Jahr hat sich die finanzielle Situation der Schule verschlimmert. So gab es zum Beispiel im Kindergarten keine Fruechte mehr und andere Ausgaben wurden minimiert, doch jetzt ist die Lage wirklich ernst geworden: Die Schule musste 4 vollzeitbeschaeftigte Lehrer und ein Functionario entlassen, weil das Geld fuer die laufenden Kosten an allen Enden nicht reicht. Gruende dafuer sind die allgemeine schlechte wirtschaftliche Lage, sodass viele Paten der Schule und andere Unterstuetzer sich zurueckgezogen haben. Nun fehlen: Die Musiklehrerin, die Handarbeitslehrerin, die Kindergaertnerin der anderen Gruppe, die Lehrerin fuer Foerderunterricht und einen Hausmeister. Desweiteren wurde auch gar kein neuer Englisch und Gartenbaulehrer eingestellt. Im Vergleich zu letztem Jahr fehlen also ganze 7 Personen und viele wichtigen Angebote der Schule fuer die Kinder fallen weg. Es macht mich traurig, dass es letztendlich doch am Geld scheitert. Dass die Kinder kein Instrument mehr lernen koennen, dass es fuer lernschwache keine extra Foerderung gib und alle kostenlastigen Projekte oder Ausfluege nicht mehr realisierbar sind.
Bisher habe ich mich immer gescheut Menschen aus meinem Umfeld um Geld fuer meinen Freiwilligendienst und die Schule zu bitten, da ich denke das Entwicklung vor allem durch die Menschen hier, die Brasilianer, geschehen muss.
Dies denke ich auch weiterhin, doch hilft es dem Einzelfall, dem Kind das nie die Moeglichkeit hatte mit guten Lehrern Englisch zu lernen, nicht weiter. Jedes Angebot was im Bereich Bildung wegfaellt, schlaegt sich spaeter im Leben, Denken und Handeln der Menschen nieder. Ich selbst sehe oft wie abhaengig der Horizont eines Menschen von seiner Bildung ist. Die oeffentliche Schule in Serra Grande ist schlecht, die Lehrer unmotiviert, oft selbst nur unzureichend fuer ihre Arbeit gebildet. Nach dem Abschluss ihrer sind die meisten Jugendlichen nicht in der Lage den Aufnahmetest der Universitaeten zu schaffen. Darauf richtig vorbereitet wird man nur in einer Privatschule. So gehen zum Beispiel alle ehemaligen Dende-Schueler aus wohlhaberenden Familien auf eine gute Privatschule in Ilheus, unter anderem auch die beidne Toechter Silvias. Hier in meinem Umfeld ist Bildung wirklich in der Mehrheit eine Frage des Geldes.
Die Dende da Serra Schule konnte im Gegensatz zur oeffentlichen Schule in Serra bisher immer Unterricht auf dem Niveau eines Industrielandes machen. Ob das jetzt weiterhin moeglich sein wird weiss ich nicht.
Deswegen bitte ich alle, die diesen Blog-Eintrag jetzt lesen sich ernsthaft Gedanken zu machen. Gedanken zu machen ob ihr helfen wollt. Ja ich bitte euch Geld zu geben, denn ich weiss dass es in diesem Fall wirklich die Loesung ist um der Schule zu helfen. Geld um die Grundlage zu bezahlen: Die Gehaelter der Lehrer.
Das ist moeglich mit einer Patenschaft, aber auch jeder sonstiger Betrage, egal ob einmalig, monatlich, klein oder gross hilft.
Wenn ihr selbst kein Geld habt, tragt diesen Aufruf auch bitte an eure Eltern und sonstiges Umfeld weiter.
Bei Fragen, fragt mich oder lest hier nach. http://www.dendeserra.org.br/alemao/padrinhos_01.html
Der normale Patenschaftsbetrag ist 70 Euro im Monat, aber viel kleinere Summen sind willkommen.
So genug jetzt von Sorgen. Ihr hofft jetzt bestimmt auch noch auf einen wilden brasilianischen Karnavalbericht, aber der waere eher unspektakulaer. Ich hab zwar gut gefeiert, aber es gab nichts was mich sonderlich beeindruckt haette oder beim Karnaval der Kulturen in Berlin nicht auch dabei sein koennte. Gut, aber ich war ja auch nicht in Salvador oder Rio, wo der richtige 1. Liga-Karnaval ist.
Ueber die Haelfte des Jahres ist nun schon um und immer oefter denke ich an Studienbewerbungen und die Rueckkehr nach Deutschland. Meine Zukunft ist jetzt nicht mehr so sehr die verbleibende Zeit in Brasilien sondern schon wieder in Europa.
Ich vermiss euch!
Eure Laura~

Aja ich bin Paraglider geflogen :D!!!!!







Fabiana mit den Kindern im Fluss badend



Die billigste Pousada in Ilheus, ja da schlafen die armen Freiwilligen immer




da hab ich in Canoa gewohnt



Rafaels Mutter, ich und Harm



Rafael




Harm hatte ein geographisches Tier, was sich unter der Haut durchs Fleisch friesst...



tote Moraene



toter Delphin



Strand von Canoa





auf den Duenen








mit Mutti und Papa in der Chapada Diamantina
















zurueck in Sargi!